Leseprobe 1.1 - Gebrüder Samuel und Arjen Zabing

HALLO!
Gebrüder
Samuel & Arjen
ZABING
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Leseprobe 1.1

Prolog
Zu erklären, was inmitten der Nacht an jenem Küchentresen geschah, mag den ein oder anderen vielleicht ein wenig schocken. Aber Umstände, die einem das Haar im Nacken vor Abscheu gefrieren lassen, müssen genannt sein. Müssen vor allem beim Wort genannt sein. Frei von Verharmlosung oder Scham.
Er beugte sich über den Topf, als wollte er die Temperatur des Sudes mit seiner Nase testen. Genussvoll sog er den angenehmen Duft der Gewürze des frisch zubereiteten Fonds ein. Es fing wie immer in der Nase an; den Duft wahrnehmen. Dann sammelte sich das Hochgefühl in seiner Stirn und zog langsam aber bestimmend hinunter bis zu seinen Lenden.
Wie immer bekam er fast schon eine Erektion.
Kurz hob er den Kopf, um die kalte Luft seiner Küche einzusaugen und den Klängen seiner HiFi-Anlage zu lauschen. Bach, der seiner Meinung nach fulminanteste zeitgenössische Künstler. Wieder den Kopf senkend, verschwamm das Jetzt und Hier zu einem wahren Freudenfeuer seiner Lenden und Ohren. Er begann ekstatisch und vor allem unmelodisch seinen Oberkörper hin und her zu wiegen. Dieses psychopatische Gebaren passte zu Bachs Concerto No. 1 in D-Moll.
Entrückte Wonne hatte ihn ergriffen. Den Kochlöffel haltend, als sei er seine Geliebte, berührte er mit diesem sanft seine erigierte, nackte Lust. Der stechende Schmerz des vom Kochen heißen Löffels sorgte an seiner Eichel für jenes Hochgefühl, welches ihn immer zur Ejakulation brachte. Heute jedoch konnte er sich diesem Hochgefühl nicht wie gewohnt hingeben. Er schaffte es einfach nicht sich fallen zu lassen, etwas ganz Entscheidendes fehlte.
Er sah sich fast verloren in seiner Küche um und ging im Kopf alles noch einmal pedantisch durch. Auf dem Küchentresen
lag der Oberschenkel des Radfahrers. Abgetrennt und ausgebeint – bereit, in dem Duftenden Fond gekocht zu werden. Die Musik stimmte. Bach, mittlerweile Partita in E-Major, sehr passend. Er hatte sich mit dem Kochlöffel berührt, fühlte die Vorfreude. Hatte getanzt. Doch es fehlte etwas.
Frust und Wut stiegen in ihm auf. Das löste diese bodenlose, tiefschürfende Enttäuschung aus, die ihn immer wieder beherrschte und zu Taten hintrieb, welche sich seiner Kontrolle entzogen. Jetzt fiel es ihm ein, erlöste ihn.
Er hatte vergessen sein Lieblingsmesser, jenes in der oberen Schublade mit dem Lederhalfter und der fünfunddreißig Zentimeter langen Klinge, zu schärfen. Er durchmaß mit mächtigen Schritten die Küche, schnappte sich das Rotweinglas vom Tresen, trank einen langen ausgiebigen Schluck und zog die Lade auf. Da lag es. Lächelte ihn förmlich an, als wolle es sagen: „Schleif mich, berühr mich!“ Diesem inneren Zwang folgend griff er bedächtig das Messer und zog es aus dem Halfter. Diesen strich er lüstern und behutsam über seinen Bauch, bis hinab zu seinen harten Schwanz. Er rieb das mittlerweile vom Alter und dem ständigen Gebrauch ausgehärte Leder an seinem Pimmel einige Male hin und her. Dann, als er sich den Halfter über den erigierten, mittlerweile vollends ausgehärteten Penis stülpte, stöhnte er auf. Wie ferngesteuert machte er sich nun an die sorgsame Schleifarbeit. Mittels eines Schleifklotzes, den er eigens in Japan hatte fertigen lassen, gab er dem Messer den nötigen Schliff.
Unter voller Trance zu Bachs Musik und mit verklärtem Blick begann er sorgsam, das Bein des Radfahrers mit seinem Lieblingsmesser zu filetieren. Bei voller Größe wäre das Fleisch zu schwer und auch zu mächtig, um in dem Kochtopf Platz zu finden. Als er die geschnittenen Beinscheiben bedächtig in den Fond gleiten lies, kamen Erinnerungen hoch.
Erinnerungen daran, wie er sein heutiges Opfer entdeckt hatte. Daran, wie er ihn auserkoren hatte. Es war am vergangenen Freitag gewesen. Also vor vier Tagen. Er hasste Menschen, welche die Spielregeln des Zusammenlebens nicht einhielten.
Er musste sie einfach vernichten. Und er wusste sie zu finden.
Alle!
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Der Inhalt eines Buches Ist für viele die Welt.
Die Welt ohne Bücher ist ohne Inhalt.
Samuel Zabing
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Viel Spaß bei allen Büchern
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